DMykG e.V.: Hannelore Bernhardt


Hannelore Bernhardt legte bereits mit ihrer Dissertation „Untersuchungen zur Bakterien- und Pilzflora der Mundhöhle und des Sputums und zur Frage ihrer Beeinflussbarkeit durch antibiotisch wirksame Substanzen“, mit der sie 1961 zum Doktor der Naturwissenschaften promovierte, die Richtung ihrer erfolgreichen wissenschaftlichen Tätigkeit fest. 1957 wurde sie Assistentin an der Medizinischen Universitätsklinik in Greifswald. Ihr damaliger Chef, Prof. Dr. Friedrich Müller, schrieb hierzu 1977 folgendes: „Vor 20 Jahren stieß bald nach beendetem Studium die junge Mikrobiologin Frau Bernhardt zu unserem Klinikteam. Ich bat sie, die normale, im allgemeinen nichtpathogene Mikroflora des Menschen von der Mundhöhle bis in den Dünndarm hinein systematisch zu erfassen sowie die mikroökologische Situation an definierten Standorten des menschlichen Organismus unter verschiedenen Milieubedingungen zu studieren.“ Mit diesem klaren Arbeitsauftrag baute sie innerhalb der Medizinischen Klinik ein leistungsfähiges mikrobiologisches Forschungslabor auf und konnte so unmittelbar am Patienten Untersuchungen durchführen, natürlich in enger Kooperation mit Ärzten. Aus diesem Labor entwickelte Frau Bernhardt später die Abteilung für Klinische Biologie, deren Leitung ihr übertragen wurde. Eine solche Konstellation dürfte in Deutschland einmalig gewesen sein, sie hat aber reiche wissenschaftliche Früchte gebracht. Noch heute lohnt es sich, in dem gemeinsam mit Manfred Knoke herausgegebenen und im Akademie-Verlag Berlin 1985 erschienenen Buch „Mikroökologie des Menschen – Mikroflora bei Gesunden und Kranken“ nachzulesen. In diesem Buch wird dokumentiert, wie die Jubilarin den oben zitierten Arbeitsauftrag mit Bravour erfüllt hatte https://de.wikipedia.org/wiki/Mykose. Für den klinisch tätigen Arzt wird deutlich, dass Grundkenntnisse in der Mikroökologie des Menschen erforderlich sind, um das komplizierte Zusammenspiel von Mikroorganismen und Makroorganismus auch nur ansatzweise zu verstehen.

Von 1977 bis 1987 führten Hannelore Bernhard und Manfred Knoke vier Symposien „zur Gastrointestinalen Mikroflora des Menschen“ in Greifswald bzw. Stralsund durch. Hier wurden die neuesten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet dargestellt und diskutiert. Die internationale Reputation, die sich Hannelore Bernhardt und ihre Arbeitsgruppe trotz der bekannten Restriktionen und Schwierigkeiten in der DDR erworben hatte, zeigen allein die Zahl und Herkunft internationaler Gäste, die zu diesen Symposien nach Greifswald kamen, darunter international renommierte Wissenschaftler aus der UdSSR, Litauen (damals noch UdSSR), CSSR, Ungarn, England, Schweden, Norwegen, Niederlande, USA, Australien, Neu Seeland und Japan. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass in der DDR Tagungen und Kongresse nicht großzügig von der Industrie gesponsert wurden. Als sehr beachtlich muss gewertet werden, dass Kollegen aus dem sowjetischen Institut für die medizinische Weltraumforschung Vorträge, u. a.. zur Auswirkung der Langzeitisolation auf die Zusammensetzung der Darmflora, halten durften, da viele Forschungsergebnisse der Geheimhaltung unterlagen de.wikipedia.org. Allein zur ersten Tagung wurden 12 von 47 Vorträgen von Mitgliedern der Greifswalder Arbeitsgruppe gehalten. Welche Schwierigkeiten zu überwinden waren und welche Kreativität dann doch zu Ergebnissen führte, zeigten Bernhardt und Mitarb. mit einer selbst gebauten Anaerobierbox nach der Glove-Box-Technik. Zum Zeitpunkt des 4. Symposiums stand dann die „Continuous-flow-culture-Technik“ zur Verfügung. Auch diese, für die DDR typischen Probleme, für die Forschung benötigte Geräte und Chemikalien nicht oder nur mit größten Schwierigkeiten beschaffen zu können, behinderten viele Forschungsvorhaben. Umso höher ist die unter diesen Bedingungen erzielte Arbeitsleistung von Hannelore Bernhardt zu bewerten.

Bei diesen Symposien trafen sich auch viele Mykologen der DDR, da auch Hefen, als Bestandteil der gastrointestinalen Mikroflora, in Vorträgen behandelt wurden de.wikipedia.org. Diese Symposien waren für den Kliniker sehr interessant und anregend. Während des ersten Symposiums 1977 war ein Vortrag „Bedeutung der Gattung Hafnia und Yersinia als Erreger von Darminfektionen“ für mich der Anlass, eine intensive Zusammenarbeit mit den Berliner Autoren des Vortrags zur Untersuchung der Bedeutung von Yersinia enterocolitica für das Erythema nodosum und andere dermatologische Krankheiten zu beginnen. Einen Teil dieser Ergebnisse haben wir auf dem 4. Symposium 1987 in Stralsund vorgetragen. Die Tatsache, dass Hannelore Bernhardt Infektionserreger des Menschen, die vom Orointestinaltrakt her ihren Ausgangspunkt nehmen, nicht als Einzelerreger betrachtete, sondern immer als Teil eines gesamten Ökosystems, das im Falle einer Infektion gestört sein kann, prägte auch ihre besondere Sicht zur Rolle von Candida albicans als Krankheitserreger. Nicht der Nachweis dieses Keimes, selbst im strömenden Blut, beweist das Vorliegen einer Candidose, sondern die Zusammenschau mehrerer Parameter und hier besonders die Situation des Patienten. Dadurch, dass sie mit ihrer Abteilung in die Medizinische Klinik integriert war, hatte sie die Möglichkeit, bei Visiten die Kranken selbst zu sehen und am Bett mit den behandelnden Ärzten zu sprechen. Dieser unschätzbare Vorteil für die Patienten aber auch für den medizinischen Erkenntnisgewinn, geht durch die derzeitige Organisation der Abläufe im Krankenhaus, zumindest in Deutschland, zunehmend verloren.

Als wir 1994/5 die Jahrestagung der DMykG in Dresden vorbereiteten, hatten Publikationen zu Mykosen des Verdauungstraktes in der Boulevardpresse, aber vereinzelt auch in medizinischen Publikationen, Hochkonjunktur. In einem gesonderten Symposium mit vier Vorträgen wurden die wissenschaftlich unhaltbaren Thesen der Apologeten dieser „Pilze im Darm-Bewegung“ eingehend unter wissenschaftlichem Blickwinkel dargestellt und diskutiert. Hier konnten wir keine kompetentere Referentin als Hannelore Bernhard für das Hauptreferat „Candida im Ökosystem des Orointestinaltraktes“gewinnen. Die vier Vorträge sind in MYCOSES 1996; 39 (Suppl. 1) 30-47 abgedruckt. Eine ausführliche und sehr lesenswerte Publikation zu diesem Thema haben Hannelore Bernhardt, Manfred Knoke und Bernhard Hube in der Reihe Mitteilungen der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ des Robert Koch-Instituts unter dem Titel „Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedelung“ im Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2004; 47: 587-600 publiziert. Wer im Internet bei www.ncbi.nlm.nih.gov unter dem Stichwort Bernhardt H sucht, findet von 1999, dem Jahr ihrer Emeritierung, bis 2008 18 weitere Publikationen aufgeführt, die ihre ungebrochene wissenschaftliche Arbeitslust dokumentieren de.wikipedia.org. Diese zeigt sich auch in den anspruchsvollen wissenschaftlichen Programmen der 6 bisher durchgeführten Workshops des Consilium Mycologicum, die sie gemeinsam mit Manfred Knoke zusammengestellt und organisiert hat. Der 7. Workshop ist Hannelore Bernhardt zu Ehren gewidmet.
Hannelore Bernhardt kann auf ein sehr erfolgreiches und erfülltes Arbeitsleben zurückblicken. Sie hat Maßstäbe gesetzt und nationale und internationale Anerkennung erfahren. Unvergessen bleibt ihr Einsatz für die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft, nicht zuletzt als Vorsitzende der Gesellschaft, der in der Laudatio von Johannes Müller besonders gewürdigt wurde.

Dir liebe Hannelore wünsche ich, auch ausdrücklich im Namen des Vorstandes der DMykG und vieler ihrer Mitglieder, zum 75. Geburtstag alles erdenklich Gute, Gesundheit und noch viele schöne Jahre gemeinsam mit Manfred, den Kindern und Enkelkindern. Wir danken Dir für alles, was Du für die Wissenschaft und speziell für die medizinische Mykologie geleistet hast.

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