ECMM/TIMM-News


Seitdem sich die EORTC-Infectious Diseases Group (IDG) und die European Confederation of  Medical Mycology (ECMM) entschlossen haben ihre Jahrestagungen zusammen zu veranstalten, hat jetzt bereits zum vierten Mal diese internationale Tagung zur klinischen Mykologie in Europa stattgefunden. Unter der Leitung des Exekutivkomitees mit Prof. George Petrikkos, Prof. Emmanual Roilides, Prof. Maiken Cavling Arendrup und Prof. Johan Maertens wurde diese inzwischen weltweit wichtigste Tagung in der Mykologie unter der Teilnahme von circa 1000 Teilnehmern im Hilton-Hotel über 3,5 Tage in Athen veranstaltet. Die Referenten stammen sowohl aus Europa, Russland, Israel, den USA, sowie Asien und Südamerika.Neben insgesamt fünf Plenarsitzungen, fanden 16 Workshops und vier Sitzungen mit freien Vorträgen. Zusätzlich wurden zur klinischen Themen jeden Tag parallel fünf so genannte „meet the expert“-Sitzungen veranstaltet (insgesamt 15 Stück). Zusätzlich fanden sehr gut besuchte industriegesponserte Symposien der Firmen MSD, Pfizer, Schering-Plough und Gilead statt. Wie bereits auf den vergangenen TIMM-Tagungen stand die Fortbildung in diversen mykologischen Themen, von den Grundlagen bis zum Krankenbett, ganz im Vordergrund.

Neben der schon traditionell üblichen „E de.wikipedia.org. Drouhet lecture“ der ECMM zu Ehren des bekannten französischen Mykologen, wurde jetzt auch von dem Mitveranstalter der EORTC eine sogenannte „Ben De Pauw lecture“ eingeführt. Mit diesen Beiträgen sollen herausragende Wissenschaftler im Bereich der Mykologie geehrt werden. Die „E. Drouhet lecture“ wurde von Professor Tom Walsh aus den USA zu dem Thema transnationale Forschung in der medizinischen Mykologie gehalten und hat, eingebettet in eine klinische Kasuistik, die sehr umfangreiche Forschungstätigkeit von der Arbeitsgruppe um Professor Walsh am NCI in Bethesda (USA) zum Thema gehabt. Mit der „Ben De Pauw lecture“ sollte Professor Ben de Pauw aus Nijemgen (Holland) geehrt werden, der Vorsitzender der EORTC/IDG war, international durch seine klinische Forschung in der Mykologie bekannt ist und im letzten Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Diese Vorlesung wurde von Professor Frank Odds (Schottland) gehalten mit dem Thema der Entwicklung von Antimykotika und deren Bedeutung für den klinischen Einsatz.

Im Bereich Grundlagen, Epidemiologie und Diagnostik fanden mehrere Veranstaltungen statt. Begonnen wurde die Tagung mit der Plenarsitzung zur Epidemiologie von invasiven Pilzinfektionen, insbesondere den Erreger-Gruppen Candida, Aspergillus und Zygomyzeten abgehalten. Wie auch schon traditionell üblich fand auch ein Workshop zu den endemischen Mykosen unter der Leitung von Dupont (Frankreich)/Meis (Holland) statt. Schwerpunkte wurden gesetzt im Themenbereich der Umwelt-Mykologie, wobei hier insbesondere auch auf die Assoziation zwischen Exposition und Erkrankung sowie klimatischen Veränderungen eingegangen wurde. Ein neues Forschungsfeld tut sich im Bereich der allergischen Syndrome auf, die durch Pilze insbesondere Aspergillus Spezies im Sinne der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) oder dem pilzbedingten Asthma ausgelöst werden können weitere. Die ABPA spielt insbesondere in Indien eine wichtige Rolle und wurde sehr ausführlich von Professor Shah (Indien) dargestellt. Darüberhinaus wurde in einem separaten Workshop auf die Besonderheiten der pulmonalen Pilzinfektionen bei nicht-hämatologischen Patienten eingegangen. Invasive Aspergillosen werden inzwischen auf internistischen Intensivstationen regelmäßig festgestellt, insbesondere bei Patienten mit COPD (Meerseman/Belgien). Hier wurde insbesondere darauf hingewiesen dass bei diesen Patienten drei klinische Krankheitsbilder beobachtet werden können: Aspergillom, chronische Aspergillose und subakute invasive Aspergillose. Die Probleme der chirurgischen Behandlung von pulmonalen Aspergillomen oder auch Pilz-Abszessen wurden von Massard (Frankreich) diskutiert. Gängige Operationstechniken beinhalten die Lobektomie und in seltenen Fällen auch die Pneumektomie, die aber mit einer hohen operationsassoziierten Letalität (bis 60 %) einhergehen kann. Diese Operationen wurden/werden zumeist bei Nicht-hämatologischen Patienten durchgeführt und bedürfen einer hohen Expertise des Operateurs. In der gleichen Sitzung wurde auch auf die Wirksamkeit von Antimykotika in der Lunge von Lewis (USA) eingegangen (Pharmakokinetik/Pharmakodynamik). Hier wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass der Erreger Aspergillus fumigatus in der Lage ist, Gene, die an der Angiogenese beteiligt sind, herunter zu regulieren. Dies scheint über einen Stoffwechselmetaboliten (Gliotoxin) zu erfolgen. Interessant erscheint hier der Stellenwert von Inhibitoren der Angiogenese (VEGF-inhibitoren), die bereits in der Tumortherapie einen Stellenwert haben.

In der Diagnostik wurden die Möglichkeiten der radiologischen Bildgebung und des therapeutischen „Drug-Monitoring“ diskutiert. Ein breites Feld nahmen die Möglichkeiten der Antikörper- und Antigen-Diagnostik sowie des ß-D-Glucan-Testes einen, der in einigen Ländern in Europa inzwischen verfügbar ist sowie die molekulare Diagnostik. Nicht nur die Diagnostik wird inzwischen in Europa in großem Umfang mit molekularen Methoden (PCR) durchgeführt, sondern auch die Erregertypisierung und taxonomischen Untersuchungen mit zum Teil sehr aufwändigen subtilen Techniken wie der Pyrosequenzierung (Borman/UK) oder der MALDI-TOF-Massenspektrometrie (Petrini/Schweiz) und DNA-Chips (Haase/Deutschland). Hier gab es erhebliche Entwicklungen in den letzten Jahren, die zu einem immer besseren Verständnis der Unterscheidung zwischen einzelnen Erregern geführt haben. Die Unterscheidung zwischen einzelnen Erregern wie zum Beispiel Candida parapsilosis und Candida orthopsilosis/metapsilosis geht nur noch über molekulare Typisierung. Das Problem der Antimykotika Resistenz und die klinischen Behandlungsstrategie hierbei Inhalt eines Workshops. Hierbei wurde auch deutlich, dass die unterschiedlichen Methoden zur MHK-Bestimmung in Europa (EUCAST) und den USA (CLSI) mit den entsprechend unterschiedlichen Referenzbereichen zu Problemen führen können in der Interpretation, wann ein Erreger zum einen resistent ist und zum anderen eine Kreuzresistenz zu Substanzen aus der gleichen Substanzklasse aufweist. Dies machte insbesondere Professor Sanglard (Schweiz) deutlich. Auch die Resistenz gegenüber Echinocandinen und Polyenen rückt immer mehr in das Interesse der Forschung.

Neben den pulmonalen Mykosen fanden in einer eigenen Sitzung vier so genannte fokale Pilzinfektionen ein besonderes Interesse: ZNS-Mykosen, Endocarditis, Knochen-Gelenksinfektionen und Harnwegsinfektionen. Am letzten Tagungstag ist als weiterer Höhepunkt der Workshop zu Wirts-Pathogen-Interaktionen hervorzuheben. Zunächst wurde der Stellenwert von Makrophagen und die Erkennung von Pilzzell-Wandstrukturen (Cryptococcus neoformans) von Dr. Murphy (USA) ausführlich dargestellt. Bislang standen eher die Granulozyten und die zelluläre Immunabwehr durch T.-Lymphozyten im Vordergrund. Die Makrophagen, insbesondere bei ZNS-Infektionen durch C. Neoformans, scheinen hingegen eine zentrale Rolle zu spielen. Zusätzlich verbessert sich unser Verständnis durch Analyse genetischer Faktoren, die für invasive Pilzinfektionen disponieren. Professor Kullberg (Holland) hat in einem Übersichtsreferat sehr anschaulich vor allem die Rolle der toll-like-Rezeptoren dargestellt, die einem zentralen Schlüssel entsprechen, der für die Immunabwehr sowohl von Candida- als auch Aspergillus-Infektionen bedeutsam ist. Kullberg konnte in Kooperation mit zahlreichen Koautoren einen genetischen Defekt aufdecken, der im Bereich des DECTIN-1-Gens lokalisiert ist und dazu führt, dass Personen, die diesen Gendefekt ererbt haben, an einer chronischen Nagelmykose und bei Frauen zusätzlich an Vaginalmykosen leiden. Kullberg deutete an, dass diese neuen bahnbrechenden Erkenntnisse demnächst in der Zeitschrift New England Journal of Medicine publiziert werden. Hiermit wäre damit auch für bestimmte Formen von Pilzerkrankungen bewiesen, dass eine genetische Disposition das Auftreten von Mykosen (in diesem Fall chronische Candida-Infektionen) begünstigt oder auch verursacht.

Ein Novum auf der Tagung war ein Workshop zum Thema „top ten papers“. Hier wurden in drei Beiträgen die wichtigsten Publikationen zum Thema Diagnostik, Therapie und Grundlagenforschung aus den vergangenen Monaten dargestellt.
Zum Abschluss der Tagung fand eine spannende Diskussion von so genannten transatlantischen Gesichtspunkten (zwischen Europa und den USA) statt. Hier wurden die unterschiedlichen MHK-Testmethoden durch Prof. Rodriguez-Tudela (Spanien) und Prof. Ghannoum (USA) kontrovers diskutiert (europäische EUCAST versus amerikanische CLSI). Ebenso wurden Therapieleitlinien gegenübergestellt (ECIL versus IDSA), was durch prominente Vertreter des Feldes erfolgte (Professor Cordonnier/Frankreich, Professor Pappas/USA).
Insgesamt wurden 333 Poster akzeptiert, die zusammen mit den eingereichten Abstrakts der mündlichen Präsentationen in einem Supplement-Band von mycoses publiziert wurden.
Insgesamt wurden 333 Poster akzeptiert, die zusammen mit den eingereichten Abstrakts der mündlichen Präsentationen in einem Supplement-Band von mycoses publiziert wurden

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